Vom 03. bis 13. Juli 2018 fand unter Teilnahme einer ukrainischen Delegation (darunter Vertreter des Obst- & Gemüsegroßmarktes „Shuvar“) der erste Teil des 5. Deutsch-Ukrainischen Lebensmittelforums in Hamburg und Lübeck statt.

Im Rahmen der Veranstaltung hatten die Vertreter der ukrainischen Delegation die Gelegenheit, den Obst- und Gemüsegroßmarkt Hamburg, welcher sowohl Exporteuren als auch Importeuren des Fruchthandels eine Plattform zur Entwicklung von Geschäftsbeziehungen bietet, zu besuchen. Die Hauptgeschäftszeit des Marktes ist zwischen 00.00 bis 07.00. In diesem Zeitraum wird frisches Obst und Gemüse in verschiedene Distributionskanäle innerhalb Norddeutschlands verkauft, darunter auch Einzelhandel und Abnehmer aus dem Bereich HoReCa. Für die Vertreter von „Shuvar“ war es von besonderem Interesse, Informationen über die Betriebsabläufe und Organisation des Großmarktes Hamburg zu erhalten und sich mit der Hamburger Seite über „Info-Shuvar” , eine onlinebasierte Datenbank zur Preisanalyse, auszutauschen.

Im Rahmen der Veranstaltung fanden auch B2B-Gespräche statt, die darauf ausgerichtet waren, die möglichen Potentiale der Zusammenarbeit im Obst- und Gemüsehandel sowie zwischen den Großmärkten der beiden Länder zu intensivieren.
Frau Tatiana Hetman (Repräsentantin Obst- und Gemüsegroßmarkt «Shuvar») betonte in Ihrer Präsentation vor allem die folgenden Trends des Deutsch-Ukrainischen Fruchthandels:
- Hersteller setzen mehr auf die Erhöhung der Ernte und Verbesserung der Qualitäten als auf die Erweiterung von Flächen;
- Investitionen in Infrastruktur bleiben immer noch auf einem niedrigen Niveau wegen der hohen Kreditzinsen
- Die Öffnung des EU-Marktes im Rahmen des Freihandelsabkommens gibt ukrainischen Produzenten die Möglichkeit, sich auf die Rückverfolgbarkeit und Zuverlässigkeit der Lieferkette zu fokussieren.

Frau Hetman betonte weiterhin, dass es von hoher Wichtigkeit sei, dass einige Obst- und Gemüseproduzenten neue Managementansätze in die Geschäftsführung einfließen lassen. Dies träfe insbesondere auf die Hauptabnehmer von Tomatenpaste, Apfelsaftkonzentrat, Wassermelonen, gefrorenen Beeren, Blaubeeren (frische und gefrorene), Kürbissen und geschälten Zwiebeln aus der Ukraine, vorwiegend Länder der EU, zu. Unter den am meisten aus der Ukraine in den EU Markt eingeführten Gemüsesorten sind: Gewächshaustomaten (ungefähr 3 Tausend Tonnen in der Saison 2017/2018), Gurken (ungefähr 3-4 Tausend Tonnen), Zwiebel (2-3 Tausend Tonnen) und Kürbis.

Der höchste Anteil der aus der Ukraine in die EU exportierten Obst und Beeren gehört zu folgenden Produktgruppen: Äpfel (ungefähr 15 Tausend Tonnen, in 2017), Wassermelonen, Kirschen, Pflaumen, Erdbeeren und Himbeeren.
Im Jahre 2017 positionierte sich die Ukraine auf den EU-Märkten wie folgt:
1) Hauptlieferant von gefrorenen Himbeeren nach Polen;
2) Hauptlieferant von gefrorenen Blaubeeren nach Polen;
3) einer der größten Lieferanten von Kirschen, Pflaumen und gefrorenen Erdbeeren nach Polen;
4) Hauptlieferant von Apfelsaftkonzentrat nach Deutschland;
5) einer der größten Lieferanten von Tomatenpaste für den deutschen Markt;

Wichtig ist, dass die Produktgruppe Beeren über ein sehr großes Exportpotenzial verfügt, wobei der EU Markt zu einem wichtigen Handelspartner der Ukraine in Rahmen der Freihandelszone geworden ist. Nach den Ergebnissen des Jahres 2017 ist fast die ganze Beerenproduktion in die EU ausgeführt worden. Nur 3-5% wurde in andere Länder exportiert.
Nach den Worten von Frau Hetman, werden folgende Entwicklungen des ukrainischen Obst- & Gemüsemarktes erwartet:
- Verstärkung der Konkurrenz unter den einheimischen Herstellern auf dem Binnenmarkt
- Eine negative Preisentwicklung bei Beeren (Himbeeren, Blaubeeren), was den Verbrauch auf dem Binnenmarkt stimulieren wird.
Die Ukraine verfügt über Vorteile, welche dem Land die Möglichkeit geben, auf lange Sicht zu einem zuverlässigen und stabilen Lieferanten der Obst- und Gemuseproduktion für die Länder der EU zu werden:
- gute Witterungsbedingungen
- eine gute Möglichkeit, Nischen- und Bioprodukte im industriellen Umfang herzustellen
- ein im Vergleich zu anderen Ländern niedrigerer Mietpreis für Anbau-Flächen. Dies verhilft der einheimischen Produktion zu Wettbewerbsvorteilen.
- eine günstige geografische und infrastrukturelle Lage zu den Haupthandelspartnern und Weltmärkten.

Nach Einschätzung der Experten zeichnen sich perspektivisch folgende Entwicklungstrends ab:
- Verstärkung der Konkurrenz auf dem Binnenmarkt unter den einheimischen Warenproduzenten, sogar bei geringen Importen
- eine negative Preistendenz für „weiche Beeren“ (Himbeeren, Johannisbeeren und Blaubeeren), was den Verbrauch auf dem Binnenmarkt stimulieren wird;
- Entwicklung des Segments von gefrorenen Beeren (Export- und Importsteigerung);
- Kooperation der Hersteller (als ein wichtiges Instrument der Verbesserung der Effektivität des operativen Handels sowie der gesamtwirtschaftlichen und außenwirtschaftlichen Aktivität);
- Gesteigerte Nachfrage nach Rohstoffen, Wettbewerb zwischen den ukrainischen und europäischen verarbeitenden Unternehmen;
- Erweiterung der Exportmärkte in den Ländern Asiens und der EU (frische und gefrorene Waren);
Durch den Informationsaustausch mit den deutschen Kollegen über die Tendenzen und Aussichten des ukrainischen Obst- und Gemüsegroßhandels mit Vertretern einer der größten „Obst- & Gemüsemärkte“ der Westukraine (Shuvar) wurde eine gute Basis gelegt für weitere Kooperationen, sowohl zwischen den Großmärkten, als auch direkt zwischen den Vertretern der einzelnen Firmen.

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